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Pflege und Erhaltung von Rasenflächen

Mähen

Auswirkungen des Mähens:
Durch das Mähen wird das vegetative Wachstum und die Seitentriebbildung gefördert, wodurch eine dichte und homogene Rasenfläche auf Dauer geformt wird.

Schnitthöhe:
Im Klima Mitteleuropas ist die Schnitthöhe 4 cm für Rasengräser am vorteilhaftesten. Tieferer Schnitt auf 1 - 2 cm für Zierrasen setzt gute Wasser- und Nährstoffversorgung voraus. "Abrasieren" der Grasnarbe bis zur Bodenoberfläche ist sehr schädlich, da die freigelegten Wurzeln absterben, sich dadurch der Wiederaustrieb verzögert und die Kahlstellen von Unkraut besiedelt werden

Schnitthäufigkeit:
Für die Schnitthäufigkeit gibt es keine allgemeingültigen Angaben. Es sollten mindestens 40 - 50 % der Blattmasse belassen werden, d. h. Rückschnitt von 6 - 8 cm auf 3 - 4 cm.
Bei Mulchschnitt (Schnittgut verbleibt auf der Fläche) muss oft gemäht werden, damit das Schnittgut vom Bodenleben verarbeitet werden kann. Bei zu viel oder verklumptem Schnittgut entsteht auf Dauer Rasenfilz, der Wasser und Nährstoffe bindet und dadurch die Wurzelbildung beeinträchtigt.

 

Düngung

 

Durch die Düngung wird die Versorgung der Rasenpflanzen mit Nährstoffen sichergestellt. Auswaschungen ins Grundwasser sollen vermieden werden. Die Bodenreaktion kann durch Düngemittel geändert werden.

 

Düngerart:

Mineralische Dünger zeichnen sich durch genaue Dosierbarkeit und je nach Düngerart durch sofortige oder Langzeitwirkung aus. Sie sind als Ein- oder Mehrnährstoffdünger verfügbar.
Organische Dünger (z.B. Mist, Kompost) sind schwer zu dosieren. Vor der Pflanzenverfügbarkeit der Nährstoffe steht ein z. T. langdauernder Umsetzungsprozess. Bei Intensivrasen sind zusätzliche Gaben von mineralischen Düngern erforderlich. Je nach Qualität und Herkunft der Dünger können Fremdstoffe auf den Rasen gelangen. Organische Dünger sind nicht so sehr für die Nährstoffversorgung, als viel mehr für die Veränderung physikalischer Kenngrößen des Bodens (z. B. Humusgehalt) von Bedeutung, vor allem bei der Neuanlage von Rasenflächen.

 

Düngermenge:

Die Düngung sollte grundsätzlich nur auf der Basis exakter Analysewerte über chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens durchgeführt werden. Bodenanalysen sollten alle 4 - 5 Jahre erfolgen.

Der Jahresstickstoffbedarf unterscheidet sich je nach Rasentyp (DIN 18919):

Zierrasen (hohe Qualität): 15-30 g N/qm/Jahr (=z. B. 45-90 g Floranid N 32)
Gebrauchsrasen: 6-20 g N/qm/Jahr (=z. B. 18-60 g Floranid N 32)
Strapazierrasen: 15-30 g N/qm/Jahr (=z. B. 45-90 g Floranid N 32)

Der Jahresbedarf wird teilweise durch den Eintrag aus der Luft (4-5 g N/qm/Jahr) und der oft hohen Grundversorgung der Böden gedeckt, so daß bei extensiv genutztem Rasen keine zusätzliche Düngung nötig ist. Ein eventueller Fehlbedarf ist in mehreren Teilgaben von maximal 5 g N/qm (=z. B. 15 g Floranid N 32) zu verabreichen. Langzeitdüngern (z. B. Floranid N 32) ist gegenüber raschwirkenden Düngern (z. B. Kalkammonsalpeter) der Vorzug zu geben, weil zum einen der Arbeitsaufwand durch die seltenere Ausbringung und zum anderen die Gefahr des Überdüngens geringer ist. Der Bedarf der anderen Hauptnährstoffe (Phosphor, Kali) ist im Verhältnis: N:P:K = 3:1:2,5 vom Jahresstickstoffbedarf abhängig. Bei Mulchschnitt verringert sich der Nährstoffbedarf um 20 - 30 %. Wenn nach der Bodenanalyse Phosphor und Kali im normalen Bereich liegen, kann ein Mehrnährstoff-Rasendünger verwendet werden (z. B. Rasen-Floranid).

 

Düngetermine:

Der Dünger sollte vor oder zwischen den Wuchsmaxima des Rasens im Frühjahr oder Sommer ausgebracht werden. Bei wenig belasteten Rasenflächen (Spielrasen) ist eine Gabe eines Langzeitdüngers im Frühjahr ausreichend.
Vor dem Düngen ist der Rasen zu mähen, um Ätzschäden zu vermeiden.
Die Ausbringung sollte nur bei bedecktem Himmel, nicht in Hitzeperioden oder bei starkem Wind erfolgen. Nach der Düngergabe ist Regen oder Beregnung (mind. 5 - 10 l/qm) erforderlich.

 

Bewässern

 

Wasserbedarf

Intensivrasen - wie z. B. Zier- oder Sportrasen - benötigt ca. 750 - 850 l/qm im Jahr, davon 450 - 550 l/qm in der Zeit vom 1.5. bis zum 15.9. Es besteht demnach je nach lokalem Klima in Deutschland ein Niederschlagsdefizit von ca. 50 - 300 l/qm für diese Rasenform.

Andere Rasentypen sind weniger anspruchsvoll (Gebrauchs-, Landschaftsrasen).
Die Notwendigkeit von Beregnungen hängt neben der jeweiligen Rasenform auch von der Durchlässigkeit des Bodens und vom Relief ab. Je durchlässiger und je stärker geneigt der Boden ist, desto größer ist der Anteil des Niederschlagswassers, der schnell versickert oder oberflächlich abfließt.

 

Zeitpunkt der Beregnung

Bei ersten Anzeichen des Welkens, d. h. solange die Gräser noch nicht gelblich-braun verfärbt sind, aber ein Fußabdruck länger als üblich sichtbar bleibt, sollte beregnet werden. Zum Zeitpunkt des Beregnens sollte es windstill, kühl, bedeckt oder Nacht sein, um Verdunstungsverluste gering zu halten. Es gilt der Grundsatz "Besser seltener, aber möglichst durchdringend wässern". Geschlossene Rasenbestände sollten in trockenen Zeiten einmal pro Woche mit 10 bis 20 l/qm gewässert werden, frisch gesäter Rasen braucht häufigere, aber auch geringere Gaben.

 

Wasserknappheit

Mit zunehmender Wasserknappheit stellt sich die Frage, ob der hohe Wasserbedarf von Zierrasen durch den ästhetischen Wert gerechtfertigt ist oder ob nicht doch ein anspruchsloserer Rasentyp vorzuziehen ist.
Erstrebenswert ist es, den Wasserbedarf aus gesammeltem Regenwasser zu decken.

 

Erhaltungsmaßnahmen zur Gewährleistung von Durchlässigkeit und Ebenheit

 

Ziel und Zeitpunkt der Maßnahmen:

Durch die nachfolgend aufgeführten Maßnahmen sollen Verdichtungen und Unebenheiten beseitigt werden. Sie werden am besten bei trockenem Boden im Frühjahr durchgeführt.

 

Vertikutieren

Durch das Vertikutieren sollen dickere Rasenfilzschichten (> 1 cm) aus noch nicht verrottetem Mähgut beseitigt werden. Vertikutiermaschinen sind dafür mit rotierenden Messern ausgerüstet, die den Boden 1 - 2 mm tief anritzen, so dass die Gräser meist nicht beschädigt werden, der Rasenfilz aber ausgerissen wird. Vor dem Vertikutieren ist der Rasen tief zu mähen und danach die ausgerissene organische Substanz zu entfernen. Da die Wirkung nur sehr oberflächlich ist, sollte im Bedarfsfall jährlich vertikutiert werden, um einen möglichst großen Effekt zu erzielen und die Unkräuter zu schwächen. Auf einer kleinen Fläche kann diese Arbeit mit einem preisgünstigen Vertikutierrechen durchgeführt werden.


 

Aerifizieren

Unter Aerifizieren versteht man die Beseitigung von Verdichtungserscheinungen im Hauptwurzelbereich des Rasens bis in 10 cm Tiefe, durch Löchern oder Schlitzen.
Beim "Löchern" werden mit speziellen Maschinen Erdzylinder aus dem Boden ausgestanzt. Auf kleinen Flächen kann man dieses Verfahren von Hand durch das Einstechen mit einer Grabgabel kopieren. Um die Löcher durchlässig zu halten, sollte die Fläche nach dem Löchern gesandet werden.
Beim "Schlitzen" reißen dolchartige Metallzinken, die an rotierenden Scheiben befestigt sind, den Boden auf. Es ist also mit einem besonders tiefwirkendem Vertikutieren vergleichbar, und kann mit einer tief eingestellten Vertikutiermaschine ansatzweise durchgeführt werden. Die Fläche sollte nach Durchführen des "Schlitzens" gesandet und zur Regeneration einige Zeit nicht genutzt werden.

 

Besanden

Das Besanden verbessert die Durchlässigkeit des Bodens und beschleunigt den Abbau von Rasenfilzschichten. In der Regel reicht eine einmalige Besandung, nur bei stärkerer Rasenfilzbildung sind bis zu drei Gaben sinnvoll. Pro Gabe sollten 2 bis 5 l/qm ausgebracht werden. Der Sand sollte eine Körnung von 0 bis 2 mm aufweisen, gewaschen und humus- und kalkfrei sein. Grobsand ist ungeeignet.
Sand ist auch zum Ausgleichen von Unebenheiten geeignet. Für diesen Zweck kann dem Sand auch Oberboden beigefügt werden. Die Verfüllschichten sollten nicht stärker als 2 cm sein.

 

Ausbessern

Nachsaat Bei kleinen Lücken im Rasen ist eine Nachsaat mit einer dominierenden Grasart in mehreren Sorten (z. B. Lolium perenne) zu empfehlen. Sie schließt den Bestand schneller als eine Nachsaat mit einer Saatgutmischung.
 
Regeneration Bei flächigen Mängeln an der Grasnarbe ist eine Kombination mehrerer der vorher genannten Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen sinnvoll. Zum Beispiel kann folgende Vorgehensweise bei einer lückigen Grasnarbe empfohlen werden:

Tiefschnitt - Vertikutieren - Verebnen - evtl. Löchern oder Schlitzen (bei Verdichtung) - Sanden - Düngen - Übersaat - Sanden.

Durch diese Vorgehensweise werden Verfilzungen und Verdichtungen beseitigt und auf Dauer erschwert. Durch die Übersaat in die lückige und teilweise aufgerissene Grasnarbe schließt sich der Bestand wieder und wird bei andauernder Pflege wieder zu einem geschlossenen grünen Rasen.

 

Quelle: Bayerische Gartenakademie an der
Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
An der Steige 15, 97209 Veitshöchheim

 

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