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"Unkräuter" im Rasen

 

Was sind "Unkräuter und Ungräser" ?

Als "Unkräuter und Ungräser" bezeichnet man "un"-erwünschte Arten im Rasen, die durch ihre Blattbreite, Rosettenbildung, ihren abweichenden Farbton, durch ihre Vorwüchsigkeit, vorzeitige Stengelbildung oder ihre starke Konkurrenzkraft den optischen Eindruck oder die Nutzbarkeit des Rasens beeinträchtigen. Häufig, als störend empfundene Arten sind Einjährige Rispe, Löwenzahn, Wegerich oder auch Gänseblümchen.
Es liegt am jeweiligen Nutzer, ab welcher Menge unerwünschter Pflanzen er den Rasen als "verunkrautet" empfindet und natürlich ist es auch von der Nutzungsweise des Rasens abhängig, ab wann Unkräuter störend wirken können. Bei einem reinen Zierrasen sind die Ansprüche an Reinheit und Gleichmäßigkeit sicherlich höher als bei einem Spielrasen.

 

Vorbeugende Maßnahmen gegen "Unkräuter"

Bevor man Rasen neu anlegt, sollte man darauf achten, dass der Mutterboden möglichst unkrautfrei ist. Wenn Mutterboden zugeliefert wird, ist auf eine unkrautfreie, gute Qualität zu achten, ansonsten sollten vom vorhandenen Boden Unkräuter oder Pflanzenteile sorgfältig entfernt werden.
Vor der Ansaat des Rasens kann man dichtstehende Gründüngungspflanzen anbauen, wie z. B. Bitterlupine, die andere Pflanzen nicht aufkommen lassen.
Sie werden einige Wochen vor der Rasenansaat eingearbeitet.
Bei Neuansaaten von Rasen ist es wichtig, dass Saatgutmischungen verwendet werden, die eine hohe Reinheit aufweisen. Der Narbenschluss des Rasens soll möglichst schnell erreicht werden, damit Unkräuter erst gar nicht hochkommen. Dies ist durch eine standortgerechte Saatgutmischung und durch eine gute Stickstoff- und Wasserversorgung sicherzustellen.
Da viele Unkräuter häufiges Mähen schlecht vertragen, lässt sich durch diese Maßnahme der Unkrautbesatz zurückdrängen. Weil dabei auch die Blüten- und Samenbildung verhindert wird, unterbleibt die Vermehrung etlicher Unkräuter.
Eventuell vorhandene Fehlstellen sollen sofort nachgesät werden, um keine Angriffspunkte für Unkräuter zu bieten. Die Pflege soll insgesamt darauf ausgerichtet sein, eine dauerhaft dicht geschlossene Grasnarbe zu erhalten.

 

Bekämpfung von Unkräutern

 

Mechanische Bekämpfung

Die einfachste Form der mechanischen Bekämpfung von Unkräutern ist das Ausstechen. Der Versuch, Unkräuter auszureißen, führt meistens nur dazu, die oberirdischen Bestandteile abzureißen, während die Wurzeln im Boden bleiben und wenig später neue Triebe wachsen. Deshalb ist es sinnvoll zu versuchen, die Unkräuter durch Ausstechen mit der Wurzel aus dem Boden zu entfernen. Bei sehr feuchtem Boden lassen sich Unkrautpflanzen sogar vollständig herausziehen.
Diese Methode lässt sich nur auf kleinen Flächen mit vertretbarem Aufwand durchführen, bei größeren Flächen greift man in der Regel auf Maschinen zurück. Leider gibt es noch keine Maschine, die automatisch Unkräuter aussticht, deshalb müssen andere Verfahren angewendet werden. Eine Möglichkeit besteht im Einsatz eines motorgetriebenen Vertikutiergerätes,
das mit senkrecht rotierenden Messern breite Blätter und den Rasenfilz zerschneidet sowie den Boden ritzt. Allerdings reicht die Bearbeitungstiefe nur wenige Millimeter unter die Oberfläche. Da auch die Gräser bei dieser Behandlung in Mitleidenschaft gezogen werden, ist es empfehlenswert, sofort anschließend eine Übersaat mit dem Deutschen Weidelgras Lolium perenne vorzunehmen.
Eine andere Möglichkeit der mechanischen Bekämpfung ist der tiefe Reinigungsschnitt bei tiefschnittempfindlichen Kräutern und Gräsern, nachdem man den Bestand vorher höher aufwachsen ließ. Lichtbedürftige, flachwachsende Arten, wie zum Beispiel Weißklee, lassen sich dadurch zumindest schwächen.

 

Chemische Bekämpfung

Schlagen vorbeugende Maßnahmen und mechanische Bekämpfung nicht an, handelt es sich im Rasen meist um tiefschnittverträgliche, ausdauernde Arten. Um dem Übel Herr zu werden, erwägt mancher den Griff zur "chemischen Keule".
Die Anwendung von Herbiziden sollte jedoch nur eine allerletzte Möglichkeit darstellen, nachdem alle mechanischen Methoden versagt haben und das Unkraut im Rasen als äußerst störend empfunden wird.
Bei der Wahl des Mittels ist zu beachten, ob es nach Pflanzenschutzgesetz zulässig ist für die Anwendung im Haus- und Kleingartenbereich.
Zur Anwendung kommen im Rasen vor allem Wuchsstoffherbizide, die selektiv auf Kräuter wirken und die Gräser unbeeinflusst lassen. Jeder selektive Wirkstoff vernichtet jedoch nur einen Teil der möglicherweise auftretenden Unkräuter. In den handelsüblichen Präparaten sind zwar zwei oder drei Wirkstoffe kombiniert, so dass man mit einer Anwendung viele Arten ausmerzen kann, aber auch solche Kombinationen erstrecken sich nicht auf das gesamte Artenspektrum. Vor dem Herbizideinsatz ist es daher unerlässlich, den Artenbestand der Unkräuter genau zu bestimmen und dann das jeweils passende Präparat anzuwenden.
Die günstigste Zeit, um Herbizide auszubringen, ist Mitte Mai bis Mitte September, wenn die Temperaturen über 10 Celsius liegen und sich tagsüber zwischen 15 und 25 Celsius bewegen.

Etwa 10 bis 14 Tage vor dem Herbizideinsatz soll der Rasen mit Stickstoff und Kali bedarfsgerecht gedüngt werden, um den Narbenschluss zu fördern. 5 bis 8 Tage vor der Herbizidanwendung sollte gemäht werden, so dass genügend Blattfläche nachwächst, auf der die Mittel haften. Zur Dosierung ist die Gebrauchsanleitung des Mittels genau zu beachten, ebenso wie einige andere Bedingungen: Die Blätter sollten bei einer Spritzung trocken, beim Ausbringen von Streumitteln dagegen feucht sein, während der Anwendung darf es nicht windig sein oder regnen und es sollte auch 24 Stunden danach weder regnen noch beregnet werden, sonst können Verbrennungen an den Blättern auftreten. Der nächste Mähgang findet erst 5 bis 7 Tage nach der Anwendung statt. In der Regel darf auch erst nach Ablauf dieser Wartezeit wieder auf dem Rasen gespielt werden. Das anfallende Mähgut ist zu entfernen.
Wenn sich nach einmaliger Anwendung noch kein Erfolg zeigt, kann die Behandlung wiederholt werden, allerdings frühestens nach 5 bis 6 Wochen. Pro Jahr sollten nicht mehr als drei Behandlungen durchgeführt werden.
Bei Ungräsern können keine Herbizide eingesetzt werden, weil dabei auch erhaltenswerte Gräser geschädigt würden. Hier helfen nur vorbeugende oder mechanische Maßnahmen.

  
 

Quelle: Bayerische Gartenakademie an der
Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau
An der Steige 15, 97209 Veitshöchheim

 

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